Freiwillige Feuerwehr Efringen-Kirchen

 

Im Mai 2005 begann die 1. Tunnelvortriebsmaschiene (TVM) mit den Arbeiten am Katzenbergtunnel und für uns begann eine sehr spannende und intensiv Zeit. Bis zur offiziellen Inbetriebnahme des Tunnel am 12.12.2012 waren wir für Sicherheit und Rettung auf dem Baustelle zuständig und zwar im ober- und unterirdischen Bereich.

Um dieser Aufgabe gerecht wurde eine weitere Abteilung, die "Tunnelfeuerwehr" der Freiwilligen Feuerwehr Efringen gegründet. Rund 60 aktive Feuerwehrleute meldeten sich freiwillig für diese zusätzliche Aufgabe.

Der Gründung vorangegangen waren über 4 Jahre zum Teil sehr zähe und oft auch unerfreuliche Verhandlungen mit dem Bauherrn, der DB Projekt-Bau.

Logo Tunnelfeuerwehr

Die Umsetzung, des von uns zusammen mit dem damaligen Kreisbrandmeister Bernd Schwöble,ausgearbeitete Rettungskonzept, verzögerte sich um 1 1/2 Jahre weil die Bahn, die Finanzierung der benötigten Rettungsmittel nicht übernehmen wollte.

Damit die Arbeiten dennoch im Zeitplan bleiben konnten, trat dann im Frühjahr 2005 die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Katzenbergtunnel, bestehend aus den Firmen Züblin, Wayss&Freytag, Marti und Jäger an die Gemeinde heran und erklärte sich dazu bereit, die Rettungsmittel zu beschaffen und zu bezahlen.

Innerhalb kürzester Zeit mussten nun diese Rettungsmittel beschafft werden. In Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der ARGE, den Feuerwehrausrüstern Marte und Iveco-Brandschutztechnik/Jerg wurden 2 Sprinter mit kurzem Radstand und ein Löschcontainer beschafft, der auf einem Tieflader gesetzt zum Einsatz kam.


 




MB-Sprinter 3/130,
Ausbau Fa. Marte,
6 Sitzplätze alle mit Atemschutz ausge-
stattet und mit kompletter RTW-
Ausrüstung, zusätzlich
noch eine Wärmebild-
kamera.

Der 2. Sprinter ist Baugleich nur ohne RTW-Asrüstung, dafür mit einem zusätzlichen Sitzplatz mit Atemschutzgerät. Die RTW-Beladung konnte jedoch bei Bedarf, ins Besondere beim Ausfall des RTW-Sprinters umgeladen werden.   

 

Als eigentliches Arbeitsgerät diente uns der Löschcontainer, der mit seiner Beladung einem HLF 20/16 gleicht.


Auszug aus der Beladung:
- 7 Plätze mit Langzeitatmer, 2 Flaschengeräte a´6,8 ltr. GFK
- 50 ltr. Pressluft-Überdruck im Mannschaftsraum
- 1 TS 8/8
- 2 One Seven Druckluftschaumanlagen
- 2000 ltr. Wasser und 200 ltr. AFFF-Schaimmittel
- 13 KVA Stromgenerator

 

 

Versuchsanlage für die Löschvorhänge

Eine besondere Gefahr bei Bränden in unterirdischen Verkehrsanlagen stellt die damit verbundene Rauchentwicklung, bzw. die Rauchausbreitung dar. Aufgrund der Bauweise des Katzenbergtunnels, war in der Rohbauphase ein Befahren des Tunnels nur mit Motorfahrzeugen möglich, was bei der Ausarbeitung des Rettungskonzepetes besonders berücksichtigt werden musste.

 

Animation der Wirkungsweise der Löschvorhänge,. erstellt und zur Verfügung gestellt durch Thomas Steinmann

 

Um der unkontrollierten Rauchausbreitung entgegenwirken zu können wurde eine Einfache aber sehr wirkungsvolle Lösung gefunden. Im Abstand von 250 m wurden links und rechts an der Tunnelwand Hydroschilder montiert, die aus der Kühlwasserleitung der Tunnelbohrmaschine gepeisst wurden und die in Betrieb den kompletten Tunnelquerschnitt abdecken konnten. Diese Löschvorhänge konnten von der Baustellenlogistik, die 24 Stunfen am Tag besetzt war ausgelöst werden und so den entstehenden Brandrauch auf den Bereich zwischen 2 Löschvorhängen begrenzen.

 

 

Eine echte Bewährungsprobe für unser Rettungskonzept und für die Tunnelfeuerwehr war der Brand eines LKW´s unter der Tunnelbohrmaschine am 29. Juli 2006 bei einer Vortriebstiefe von
ca.3 Kilometern.
Bei Reinigungsarbeiten an den Mörtelleitungen der TVM, geriet der dafür bentögte LKW, auf Grund eines überhitzten Agrgates in Brand. Die Mitarbeiter vor Ort unternahmen erste Löschversuche, mussten sich aber wegen der starken Rauchentwicklung in den Rettungscontainer auf der TVM zurückziehen. Sehr hilfreich war auch, dass der LKW direkt unter einem Löschvorhang stand und so die Brandausbreitung verhindert werden konnte.
Nach dem der LKW durch uns abgelöscht war, konnten die eingeschlossen 19 Mitarbeiter gerettet und an den Rettungsdient übergeben werden. Dem umsichtigen Einsatz der Mineure vor Ort, der Umstand, dass der LKW unter einem Löschvorhang stand und dem schnellen und gezieltem Eingreifen der Feuerwehrleute ist es zu verdanken, dass niemand ernsthaft verletzt wurde.
Die TVM wurde durch den Brand nicht beschädigt, so dass die Arbeiten nach einigen Stunden
wieder aufgenommen werden konnten.
   

 

Einsatzbilder: 

 

Nach dem Durchschlag der beiden Tunnelröhren am 20.09.2007. bzw. am 01.10.2007 erhielten wir Unterstützung, durch die FFW Bad Bellingen als Portalwehr am Nordportal. Bereits einige Wochen zuvor wurden gemeinsame Übungen im Tunel durchgeführt um die Kameraden auf den Einsatz vorzubereiten und mit den örtlichen Gegenbenheiten vertraut zu machen.

 

Übungsimpressionen: 

 

Während der gesamten Bauzeit musste das Rettungskonzept kontinuierlich dem Baufortschritt angepasst werden. Die Baustellensituation von November 2009 bis März 2011 erforderte eine größere Veränderung in unserem Rettungskonzept.
In dieser Zeit konnte der Tunnel nur über die Zufahrt am Nordportal befahren werden. Um dennoch ein schnelles Eingreifen gewährleisten zu können wurde der Löschcontainer am Nordportal stationiert. Die Einsatzzentrale verblieb auf Grund der örtlichen Gegebenheiten am Südportal. Eine weitere Herausforderung stellte auch die Verringerung der Fahrbahnbreite durch den Einbau der seitlichen Bankette auf 3,5m dar, die ein wenden der Fahrzeuge im Tunnel somit unmöglich machten.
 

So wurde zusätzlich zum Löschcontainer bei Ankunft am Nordportal auch ein Sprinter auf den Tieflader verladen. Entsprechend der jeweiligen Einsatzlage konnte der Sprinter über Rampen vom Tieflader gefahren werden, um bspw, Verletzte schnell aus dem Tunnel zu bringen. Generell war dann eine zweite Terberg-Zugmaschin nötig, um den Löschcontainer wieder aus dem Tunnel zu ziehen. 





Logo Tunnelfeuerwehr ab März 2011

Ab Ende März 2011 begann dann die Ausbauphase des Katzenbergtunnels. Dem Vorangegangen war ein 11-monatiger Stillstand auf der Baustelle, da mit der DB-Projektbau keine Einigung bezüglich des "Rettungskonzeptes Ausbauphase" erzielt werden konnte. Leider zogen sich die oft sehr unerfreulichen Verhandlungen mit dem Bauherrn wie ein roter Faden dürch die gesamte Bauzeit. Mit der Fa.Max Bögl als verantwortliches Unternehmen für Rettung und Sicherheit während der Ausbauphase setzte sich die sehr angenehme Zusammenarbeit die wir mit der ARGE Katzenbergtunnel gniesen durften nahtlos fort.

 

Nach der Nottfallübung am 17. November 2012 und mit der offiziellen Inbetriebnahme des Katzenbergtunnels am 04.12.2012 wurde die Tunnelfeuerwehr aufgelöst, da die Verantwortung für Sicherheit und Rettung im Tunelbauwerk jetzt zur Pflichtufgabe der FFW Efringen-Kirchen am Südportal und der FFW Bad Bellingen am Nordportal gehört. 

Nordportal


Südportal


Die rund acht-jährige Bauszeit des Tunnels war für uns eine sehr lehrreiche aber auch sehr intensive Zeit.
In weit über 200 Einsatzübungen, Schulungen und Begehungen wurde die Schlagkraft der Tunnelfeuerwehr gefestigt und ausgebaut.
Insgesamt waren 18 Einsatze zu bewältigen. Davon 1 Brand, 1 Technische Hilfeleistung und 16 Rettungseinsätze mit 14 geretteten Personen, 2 Personen konnten leider nur noch tot geborgen werden.

Sehr stolz sind wir auch darüber, dass unser Rettungskonzept bei Feuerwehren im In- und Ausland auf großes Interesse gestossen ist. So konten wir während der Bauzeit immer wieder interessierte Besucher empfangen ua. die BF Stuttgart, die BF Den Haag, sowie eine Abordnung der ÖBB die bei uns Informationen für ihr Rettungskonzept bei Bau des Koralmtunnels einholten.

Im September 2014 durfte Kommandant Werner Schmid unser Retungskonzept im Rahmen eines Kommandanten-Forums am IFA, in CH-Balsthal vorstellen. (Präsentation hier zum Download)

Weitere Informationen zum Bau des Katzenbergtunnel finden Sie auf den privaten Seiten von
H.-D. Seidt unter  www.Katzenbergtunnel.info.

Bei Fragen zum Rettungskonzept oder zur Tunnelfeuerwehr wenden Sie sich bitte an unseren Kommandanten Werner Schmid